Provision an Schule & Verein rechtswidrig?

Dürfen Schulen und Vereine Provision für den Verkauf von Büchern an ihre Schüler bzw. Mitglieder kassieren?

Gemeinschaftsbestellungen zu vergünstigten Konditionen sind vielen Affiliates auch aus der eigenen Schulzeit oder dem Vereinsleben bekannt. Man bestellt in der Gruppe eine notwendige größere Menge und erhält dafür die Produkte entsprechend günstiger, bzw. springt für die Organisation ein Bonus oder eine Rückvergütung heraus.

Im Online-Zeitalter kann das statt einer aufwändigen Sammelbestellung auch deutlich bequemer über das Affiliate-Modell realisiert werden. Mit Bestellung über eine Empfehlung des entsprechenden Vereins / der Schule wird dieser eine Provision zugeteilt.

In einem aktuellen Gerichtsurteil wurde dem Online-Buchhändler Amazon untersagt, Provisionen für den Verkauf von preisgebundenen Büchern an Schulfördervereine zu bezahlen.

Ein Schulförderverein eines Berliner Gymnasiums hatte im Rahmen des Amazon Partnerprogramms einen aStore betrieben, in welchem die Schüler bzw. deren Eltern die benötigten Lernmaterialien selbst bei Amazon bestellen konnten. Der Verein erhielt dadurch angeblich mehrere hundert Euro jährlich.

Laut Landgericht Berlin ist diese Vorgehensweise sowohl ein Verstoß gegen die Buchpreisbindung, als auch unlauterer Wettbewerb. Außerdem würde dadurch sozialer Druck auf Schüler, Eltern und Mitglieder ausgeübt, die benötigten Bücher bei Amazon zu bestellen, um den Förderverein zu unterstützen.

Geklagt hatte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, welcher Amazon rücksichtsloses Geschäftsgebaren vorwirft, und hier ganz besonders die Vorteilsbeschaffung über den sozialen Druck moralisch anprangert.

Urteil vom 07.07.2014 – LG Berlin

Existiert hier wirklich sozialer Druck?

Sammelbestellungen waren zu meiner Schulzeit schon üblich, um gemeinsam bessere Konditionen bei der Beschaffung von Lehrmaterialien zu erhalten. Diese wurden häufig von Lehrern bzw. der Schulleitung organisiert und natürlich vom entsprechenden Händler unterstützt. Das Modell ist also keine neue Erfindung.

Zur Durchführung lagen oder hingen die Listen (auf Papier) meist öffentlich aus und waren somit für jeden einsehbar. Wer sich die Materialien auf anderem Weg besorgte, war dadurch gebrandmarkt und allen bekannt. Dadurch entstand tatsächlich sozialer Druck. Eine Klage des damals bereits bestehenden Vereins ist mir jedoch nicht bekannt, darf aber gerne in den Kommentaren ergänzt werden.

Über einen Amazon aStore dagegen bestellt idR jeder für sich alleine von zuhause aus. Der Affiliate Partner (in diesem Fall der Förderverein) hat keine Einsicht, wer alles über die Empfehlung bestellt und wer sich der Solidarität verweigert. Dieser bekommt lediglich zu sehen, welche Artikel, und wie viele davon bestellt wurden.

Die Familien sind somit von der Anonymität geschützt und können nach freier Entscheidung die Bücher ggf. über andere Wege ordern, ohne Gefahr zu laufen, stigmatisiert zu werden. Lediglich das schlechte Gewissen gegenüber der Gemeinschaft bleibt übrig.

Es ist daher interessant, wie eine seit Jahrzehnten gängige Praxis nun plötzlich einem einzelnen Wettbewerber als unmoralisch vorgeworfen wird, welcher meiner Meinung nach die Umstände doch gerade durch deutlich mehr Anonymität verbessert hat.

Die Frage bleibt offen, welche Formen der Gemeinschaftsbestellungen und auch der finanzierung von Fördervereinen zukünftig wohl auch noch beklagt werden.

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