Aufforderung Wettbewerbsverstöße zu unterlassen

Wie unverschämt darf muß ein Advertiser im Fall einer Abmahnung durch einen Wettbewerber seinen Affiliate Partnern gegenüber auftreten? Angeblich wird man jetzt gesetzlich zu einem resoluten Tonfall gezwungen, so behauptet dies jedenfalls derzeit die Rechtsabteilung eines international operierenden und bekannten Affiliate Programmbetreibers.

Was ist passiert?

Abmahnungen und Unterlassungserklärungen bei Wettbewerbsverstößen sind in unserer Branche – leider – nichts seltenes. Wer mit unerlaubten Mitteln, falschen Angaben und unlauteren Methoden wirbt der wird zurecht durch Mitbewerber zur Rechenschaft gezogen. Die Frage ist wie man mit so einem Fehler umgeht.

Wenn eine Art zu werben gerichtlich untersagt wurde ist es selbstverständlich Pflicht sämtliche Kanäle entsprechend zu unterrichten, dazu zählt auch der Affiliate Kanal und alle angeschlossenen Partner.

Im Februar erhielten wir per Email Anweisungen zur Bewerbung mit einem bekannten Testsiegel. Die Notwendige Änderung des Wortlautes wurde darin diktiert und dem ganzen ein PDF Dokument beigefügt in welchem den Partnern „Fehlverhalten“ vorgeworfen wird:

Mit Einstweiliger Verfügung vom … sind wir von unserem Wettbewerber in Anspruch
genommen worden, die in der Anlage aufgeführte Werbung einzustellen.
Heute mussten wir feststellen, dass auf der Seite … inhaltlich mit der
wettbewerbsrechtlich angreifbaren Werbung geworben wird.
Wir fordern Sie auf, diese Werbung noch heute einzustellen und uns dies schriftlich zu bestätigen.
Unabhängig hiervon weisen wir Sie schon jetzt darauf hin, dass wir prüfen, Sie aufgrund Ihres
Fehlverhaltens auf Zahlung von Schadensersatz in Anspruch zu nehmen. Auch werden wir, sofern das
Fehlverhalten nicht eingestellt wird, ein etwaig mit Ihnen bestehendes Vertragsverhältnis mit
… kündigen.

Das sogenannte „Fehlverhalten“ des Affiliates war die Bewerbung mit Informationen welche der Advertiser vor der einstweiligen Verfügung noch selbst eingesetzt hatte und dem nach meinem Ermessen auch somit der Fehler anzulasten ist.

Nachdem unsere Werbung genauestens nach den Vorgaben und Anweisungen abgeändert wurde erhielten wir vor wenigen Tagen eine weitere Email in der nun die Werbung mit besagtem Testsiegel komplett verboten wird:

Mit Einstweiliger Verfügung vom … sind wir von unserem Wettbewerber in Anspruch
genommen worden, die in der Anlage aufgeführte Werbung einzustellen.
Heute mussten wir feststellen, dass auf der Seite …
inhaltlich mit der wettbewerbsrechtlich angreifbaren Werbung geworben wird.
Wir fordern Sie auf, diese Werbung noch heute einzustellen und uns dies schriftlich zu bestätigen.
Unabhängig hiervon weisen wir Sie schon jetzt auf folgendes hin:
1. Wir werden das mit Ihnen bestehende Vertragsverhältnis kündigen, sollten Sie die
Verletzungshandlung nicht unverzüglich einstellen.
2. Wir werden gerichtliche Schritte auf Einstellung der Verletzungshandlung bis hin zur
Zwangsvollstreckung ergreifen, sollten Sie die Verletzungshandlung nicht unverzüglich
einstellen.
3. Wir werden Sie auf Schadensersatz in Anspruch nehmen.

Diesmal wurde das 10-Seitige Schreiben sogar zusätzlich per Post zugestellt. Wieder wälzt der Advertiser eigene Versäumnisse und Fehler auf seine Partner ab und droht mit Rechtsfolgen.

Nun hatte ich die Nase voll und teilte dem Programmbetreiber meinen Unmut über diese Art der Partnerkommunikation mit:

Hallo Herr / Frau anonym Rechtsabteilung,

daß Sie sich nicht schämen derartig unverschämte Emails welche sogar handfeste Drohungen enthalten an Ihre eigenen Partner zu versenden. Ihr rückgratloses Vorgehen spottet jeder Beschreibung.

Nicht nur daß Sie sich zu fein sind meine letzte Emailbestätigung vom letzten Monat zu beantworten, nein Sie sind auch noch zu stolz einen Namen unter diese Mail hier zu setzen und erdreisten sich lieber im Anonym-Modus als mystische „Rechtsabteilung“ zu schreiben.

Ich verstehe durchaus daß Mitbewerber Schwierigkeiten machen können und dann oft eine schnelle Lösung gefunden werden muß, und es ist auch gut und richtig die Partner über solche Dinge zügig zu informieren, aber diese kann man auch in einem anderen Ton kommunizieren als Sie dies die letzten beiden Male gemacht haben.

Die Schuld für eigenes Versagen einfach auf die Partner abzuwälzen ist einfach rückgratlos und ich überlege nun … aus sämtlichen Bewerbungen mit allen unseren Websites und Accounts herauszunehmen, denn Ihre unglaubliche Vorgehensweise zeigt mir mehr als deutlich daß Sie selber weder hinter Ihrem Produkt noch zu den eigenen Werbemitteln und schon gar nicht hinter Ihren Partnern stehen.

Interessant ist daß eure TV Spots währenddessen weiterhin plakativ mit dem angeblich so umstrittenen Testsiegel werben – erst gestern wieder live im Programm mindestens eines deutschen Fernsehsenders. Da beschäftigt Ihr extra eine tolle Rechtsabteilung und dann übersieht diese ein solches Detail. Einfach nur Big Fail.

Würde in meinem Unternehmen ein derartiger Ablauf und vor allem so eine unverschämte Behandlung eigener Partner vorkommen dürften sowohl Marketing- als auch Rechtsabteilung bis zum Mittag die Schreibtische räumen.

Alles was Recht ist, aber hier hat auch mein Verständnis für Defizite in Bildung und Anstand ein Ende.

Auf diese Email kam tatsächlich relativ schnell eine Antwort wie folgt:

vielen Dank für Ihr offenes Feedback.

Ihre Haltung können wir natürlich nachvollziehen. Aufgrund einer gerichtlichen Anordnung sind wir gezwungen, diese durchaus resoluten Anschreiben an alle Seitenbetreiber zu verschicken, deren Einbindungen noch bestimmte Formulierungen vorweisen. Daher haben wir leider keine Möglichkeit, den Tonfall der Schreiben an unsere persönliche Vorstellung einer freundlichen Partnerkommunikation anzupassen.

Die derzeit laufenden TV Spots wurden nicht übersehen. Diese wurden bereits angepasst und werden kurzfristig ausgetauscht.

Jetzt gibt es also schon gerichtliche Anordnungen welche einen zwingen den eigenen Partnern gegenüber einen unfreundlichen Tonfall anzuschlagen. Sehr interessant.

Nur zur Klarstellung: Wenn die Werbung des Advertisers rechtlich Probleme bereiten kann ist es absolut richtig die Partner zu informieren und entsprechende Änderungen zu verlangen. Nur der angewendete Tonfall und die unverschämte Art in welcher der Affiliate Partner als Schuldiger  dargestellt wird finde ich nicht in Ordnung, zumal dieser die Differenzen zwischen den Wettbewerbern nicht zu verantworten hat.

Mir stellt sich auch die Frage wieso ein offizielles Testergebnis nicht mehr erwähnt werden darf. Auch wenn es veraltet ist so wurde dieses Ergebnis zumindest irgendwann mal erzielt. Es wird also nichts falsches behauptet.
Man stelle sich nur mal vor jemand ist als privater Kunde begeistert von dem Produkt / Dienstleistung und er berichtet davon in seinem privaten Weblog – womöglich noch unentgeltlich. Zum Zeitpunkt seines Berichtes ist das Testergebnis noch hochaktuell. Nun kommt der Betreiber 2 Jahre später bei Ihm an und verlangt unter Androhung empfindlicher Maßnahmen die Entfernung des Hinweises auf den Testbericht. Ob der dann wohl noch weiterhin begeistert von dem Anbieter ist und diesen weiterempfiehlt?

Ich freue mich über Kommentare und Meinungen zu diesem Fall.

 

******** Update 11. April 2013 ********

Laut Onlinehändler News hat die Stiftung Warentest nun auch ihre Bedingungen zur Werbung mit alten Testsiegeln geändert. Hier gehts zum Artikel.

Ob das nun als Reaktion auf den Rechtsstreit zwischen den beiden Anbietern zu werten ist bleibt offen, es wird als Beispiel ein Matratzen-Test angeführt.

7 Kommentare

  1. Irgendwie kommt mir das bekannt vor ehrlich gesagt hat mich die Aktion total eingeschüchtert, so dass ich überlege mich ganz aus dem Gebiet fern zu halten um nicht irgendwie Fehler zu machen. Ich denke die führen da so eine Art Krieg und da will man nicht mit reingezogen werden…

  2. Was ich noch zufügen möchte. Also ich kenne die Mail so in etwa. Nicht sicher ob es um das Gleiche geht aber denke schon. Als ich die Mail gelesen hatte war ich noch total geschockt und eingeschüchtert und habe mich gefühlt als hätte ich sonstwas schlimmes getan.

    Jetzt nachdem Ich Deinen Post gelesen habe überblicke die Angelegenheit besser. Finde es total krass wie mit Partnern umgegangen wird, sowas habe ich noch nie erlebt und überlege ernsthaft ob ich da noch mit dem Programm arbeiten möchte vor allem weil ich nicht weiß was in Zukunft ist was ich schreiben darf und was nicht. Und ich bin immer noch bissel Baff :I

  3. @Andreas mit dieser Reaktion stehst du vermutlich nicht alleine da. Möchte nicht wissen wie viele Partner jetzt vor Angst oder auch vor Wut die Bewerbung einstellen und die Konkurrenz einbauen. Gibt ja dazu genügend Programme die sich über neue Partner freuen.
    Abhaken und weiter gehts.

  4. Lieber Sascha, liebe Partner,

    es tut uns sehr leid, dass wir Unmut, Verunsicherung oder Verärgerung hervorgerufen haben. Es sind leider hektische Zeiten – doch auch in diesen wäre es unsererseits angebracht gewesen, euch vorab ins Boot zu holen und angemessen zu informieren.

    Wir tun unser Bestes, das angeknackste Vertrauen zu flicken.

    In unserem Affiliate Blog haben wir das Thema gestern aufgegriffen. Wir bedauern, was geschehen ist: http://parship-affiliate.com/in-eigener-sache/

    Viele Grüße
    euer PARSHIP-Team

  5. Ihr seid der Knaller: Krisenmanagement mit Bauklötzchen-Texten. Diese „Antwort“ hättet ihr euch getrost sparen können. Mit meinem Artikel hat diese jedenfalls überhaupt nichts zu tun.

    Es ist quasi nur eine Bitte euch trotz eurer Defizite in Bildung und Anstand weiter zu bewerben.

    Was ist los? Gibts Kommunikationsschwierigkeiten in der Partneragentur?

  6. Heute wieder Post bekommen von Parship, da ich ein alten Screenshot der Seite benutzt habe, wo irgendwas stand was sie jetzt nicht mehr verwenden dürfen.

    Das mit dem Bedauern hier im Kommentar scheint ja nicht so lange angehalten zu haben und ich finde es auch ehrlich gesagt einfach nur unglaubwürdig wenn ich 2 Monate später folgendes erhalte:

    Wieder gleicher Ton, gleiche Drohungen diesmal auch noch mit folgendem Absatz:

    „Ferner müssen wir Sie mit diesem Schreiben gem. § 314 II BGB entsprechend abmahnen“

    Mir reichts, ich werde die aus dem Vergleich nehmen und zwar nicht aus Wut oder Rache sondern aus Angst.

    Ich habe keine teuren Anwälte um mich zu wehren, ich habe nicht mal viel Geld, ich versuche irgendwie als Affiliate über die runden zu kommen mit meinen Webseiten und versuche mich aus Arbeitslosigkeit heraus selbständig zu machen. Alter was geht?

    Ich kriege immer halbe Panik Attacken bei solchen Schreiben und denke ich stehe mit einem Bein im Knast!

    Ich bin kein vom Gerichtsvollzieher gejagter Verbrecher sondern bietet meinen Besuchern einen Anbieter Vergleich! Hallo?! Mir reichts damit!

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