Advertiser kann nicht jeden Lead vergüten #Vitrado

Auf Nachfrage, weshalb so viele meiner Provisionen in den letzten Monaten storniert wurden, erhielt ich von dem Supportmitarbeiter der Online-Singlebörse Single-de (Vitrado) eine erstaunliche Auskunft.

Zur Info: Diese Kontaktvermittlung betreibt ein Affiliate Partnerprogramm auf Lead / Sale Basis, welches laut Beschreibung unter anderem 1,- Euro Leadprovision pro kostenfreier Anmeldung bietet.

Affiliateprovisionen, welche vom Advertiser wortlos – ohne Angabe eines Stornogrundes – storniert werden, werfen immer einige Fragen auf, welche ich den entsprechenden Betreibern dann auch umgehend stelle. Was als Antwort folgt lässt mir nicht selten die Nackenhaare aufstellen.

Die beanstandeten Provisionen wurden auf meine Nachfrage laut dem Single-de (Vitrado) Support also aus dem folgenden interessanten Grund wortlos storniert:

Nach der Anmeldung erfolgte nie wieder eine Aktivität und die Profile sind bereits gelöscht worden.

Schaue ich aber in die Programmbedingungen von Single-de, dann kann ich nirgends einen Hinweis auf diese spezielle Anforderung finden. Unter den Gründen für Stornos steht sogar der ausdrückliche Hinweis, daß selbst eine unvollständig ausgefüllte Registrierung kein Stornogrund bei diesem Programm darstellen würde.

programmbedingungen-single-de

Mein folgender Einwand, daß diese Beschreibung somit fehlerhaft ist und im Sinne der Transparenz klar formuliert werden sollte, wurde von dem Mitarbeiter bestätigt (jedoch bis heute ist die Beschreibung nicht korrigiert), gefolgt von einer sehr interessanten Aussage, wie gewissenhaft Provisionen im Hause Vitrado behandelt werden:

Wie Sie jedoch sicherlich nachvollziehen werden, können wir nicht jede komplett abgeschlossene Registrierung vergüten.

Äh wie bitte? Was soll ich hier nachvollziehen? Daß man sich nicht an die Richtlinien hält, welche man selber in der Programmbeschreibung definiert hat?

Was glauben wie viele hunderte von Bestellungen mit Fake-Daten dann eingegeben werden würden? 😉

Danke für die Information. Das ist aber nicht mein Problem sondern das der Fraud-Abteilung.

Doch auch wenn korrekte Daten eingegeben wurden: wenn nach der Anmeldung innerhalb von 3 Wochen kein weiteres Login mehr stattfinden ist die Registrierung für uns wertlos, weil dann keine Nutzung mehr zu erwarten ist.

Das ist ebenfalls nicht das Problem von mir als Publisher, sondern das des Single-de Marketings, welches die Provisionen entsprechend dem zu erwartenden Nutzen festzulegen hat. Dem Publisher quasi nachträglich die Kosten für die eigene vorrausgehende Fehlkalkulation anzulasten, ist mehr als nur fragwürdig. Daß trotz der Einsicht des Fehlers weiterhin mit dieser Provisionsbeschreibung geworben wird, lässt sich mit seriösen Geschäftspraktiken kaum mehr vereinbaren.

In diesen Fällen sind die Accounts sogar gekündigt worden weil sie nie aktiv genutzt wurden.

Sehr interessant. Ich mache also meinen Teil der Arbeit und liefere neue Kunden, die Plattform schafft es aber nicht diese vom Nutzen des Angebots zu überzeugen, und gibt quasi die Schuld am eigenen Versagen an mich zurück.

Leider wollte der Support mir meine weiteren Fragen hierzu nicht beantworten und meinte auf erneute Nachfrage sogar bereits alle meine Fragen beantwortet zu haben. Daß die Programmbeschreibung bis heute nicht angepasst ist wurde nicht kommentiert. Zur Nachfrage wegen den neueren Stornos erhielt ich diesmal die Auskunft:

Der Produktanbieter hat die Leads zu Recht storniert. In der Programmbeschreibung findet sich kein Text der auf ein „stornofreies“ Programm hindeutet.

Außerdem wurde mir quasi mit Smiley nahegelegt die Bewerbung von Single-de einzustellen:

Wenn Sie die Stornoquote als überhöht ansehen, können Sie die Vermarktung auch einstellen. Keiner zwingt Sie Single-de zu vermarkten. 🙂

Gut zu wissen. Höchste Zeit also, das Netzwerk, in diesem Fall Zanox, zur Überprüfung des Advertisers einzuschalten.

*** Edit:

Kurz nach Veröffentlichung dieses Artikels hat der Betreiber die Provisionsbeschreibung korrigiert. Eine Stellungnahme findet sich hier in den Kommentaren.

Wie Zanox mit diesem Fall umgegangen ist kann man hier nachlesen.

6 Kommentare

  1. Finde das immer wieder unverschämt was die sich alles erlauben dürfen. Meistens hält dann noch der Betreiber des Partnerprogrammes bzw. das Netzwerk zu dem Kunden da Sie ihm gutes Geld bringen.

    Es wird halt überall versucht Geld zu sparen und somit wird die ganze Sache den Bach hinunter gezogen.

    Hoffe das die Beanstandung bei Zanox hilft.

  2. Bedauerlich. Zum speziellen Fall kann ich mich nicht äussern aber generell anmerken, dass Advertiser und Publisher sich in einigen Fällen in punkto Transparenz und Auslegung der Vorgaben -zur Erfüllung der jeweils eigenen Ziele- nicht so viel nachstehen. Hinzu kommen die bereits häufiger gemachten schlechten Erfahrungen auf beiden Seiten. Ich rate in solchen Fällen dazu, einfach das Telefon in die Hand zu nehmen und diese Fragen im Gespräch zu klären. Zumindest im oben dokumentierten Fall lesen sich die Antworten nicht so, als hätte man
    1. lange darüber nachgedacht, bzw. wäre man
    2. an einer nachhaltiger Partnerschaft interessiert.
    Und den Netzwerken kann das doch faktisch egal sein – zumindest solange Fees gezahlt werden. Dann sind wir mal gespannt, wie Zanox sich dazu äussert.

  3. Hallo Herr Schilling,

    vorab möchte ich mich dafür entschuldigen, dass die Informationen in der Programmbeschreibung nicht aktuell sind und ihr Unmut darüber begründet ist.
    Dies haben wir nun angepasst. Sie sehen nun in der Programmbeschreibung folgende Ergänzungen:

    „Single.de ist eine klassische Singlebörse, die Registrierung ist natürlich kostenfrei. Um alle Funktionen nutzen zu können, muss der Kunde eine kostenpflichtige Plus-Mitgliedschaft mit einer Laufzeit von 1, 3 oder 12 Monaten erwerben. Als zusätzliche Verdienstmöglichkeit zum Sale bieten wir unseren Partnern eine Leadvergütung für die kostenfreie Registrierung bei Single.de an. Vor der Bestätigung der Affiliate-Provision prüfen wir alle Leads auf ihre Qualität und behalten uns vor, die Auszahlungen zu stornieren. Wir prüfen die angemeldeten Profile u.a. auf valide Nutzerangaben, auf Einhaltung unserer AGB und auf Aktivität – eine Leadvergütung für gelöschte Profile findet nicht statt. Wir passen die Kriterien regelmäßig an, um eine möglichst faire Vergütung der Affiliates zu gewährleisten.“

    Gern möchte ich ein Statement zu diesem Beitrag abgeben:

    „Nach der Anmeldung erfolgte nie wieder eine Aktivität und die Profile sind bereits gelöscht worden.“ –> Dies ist eine notwendige Maßnahme, um die Qualität der single.de-Plattform hoch zu halten.

    Grundsätzlich ist es vor allem bei Leadprogrammen immer eine Gratwanderung in Sachen Transparenz gegenüber ehrlichen und sauber arbeitenden Affiliates wie Ihnen und vielen anderen Publishern, welche diese expliziten Informationen zu Ungunsten des Advertisers ausnutzen. Wenn wir beispielsweise in die Programmbeschreibung direkt aufnehmen, dass eine Leadvergütung nur dann erfolgt, wenn Bedingung 1-X erfüllt wird, so richten sich betrügerische Affiliates eben genau danach. Auf diesem Wege würden die qualitätssichernden Maßnahmen seitens der Leadbetrüger boykottiert werden. Wir möchten selbstverständlich die Qualität der Partnerbörse stetig verbessern, was wiederum positiv ist für die bewerbenden Partnerseiten. Nur ein wertiges Produkt sorgt für Neukunden und somit auch für Leadprämien. Alternativ könnte man den Registrierungsprozess auf Advertiserseite rigideren Beschränkungen unterwerfen. Dies würde jedoch wiederum die Anzahl der Neuanmeldungen/Leads schmälern, da es viele User gibt, die initial kostenlos eine Schnupperrunde bevorzugen, bevor sie sich für eine definitive Partnerbörse entscheiden. Größere Anmeldungshürden senken die Conversion.

    Leider haben wir uns in der E-Mail an Sie etwas unglücklich ausgedrückt. So wie Sie das in Ihrem Blog schreiben, könnte man denken, dass hier Willkür vorliegt. Dem ist definitiv nicht so.

    „Wie Sie jedoch sicherlich nachvollziehen werden, können wir nicht jede komplett abgeschlossene Registrierung vergüten.“ –> Dies heißt, dass wir kein generell stornofreies Programm betreiben.

    „„Doch auch wenn korrekte Daten eingegeben wurden: wenn nach der Anmeldung innerhalb von 3 Wochen kein weiteres Login mehr stattfinden ist die Registrierung für uns wertlos, weil dann keine Nutzung mehr zu erwarten ist.“ Das ist ebenfalls nicht das Problem von mir als Publisher, sondern das des Single-de Marketings, welches die Provisionen entsprechend dem zu erwartenden Nutzen festzulegen hat. Dem Publisher quasi nachträglich die Kosten für die eigene vorrausgehende Fehlkalkulation anzulasten, ist mehr als nur fragwürdig.“ –> Hier stimme ich Ihnen insofern zu, als dass dies die Aufgabe des Advertisers ist. Genau dies muss jeder Anbieter tun: die eingelieferten Daten verifizieren und das tut single.de. Allerdings bin ich nicht Ihrer Meinung, dass Sie als Publisher hier ungerecht behandelt werden, wenn ungültige Leads storniert werden. Wenn Sie bspw. ein Mobilfunkprodukt bewerben, ist das ebenso nicht stornofrei und der Advertiser muss immer nachträglich prüfen und ggf. die Vergütung ablehnen aus Gründen wie Widerruf, fehlender Boni, Fakeadressdaten etc. Wie gesagt: wir als betreuende Agentur werden mehr Transparenz schaffen für die Publisher. Der Prozess, dass nach Neukundeneinlieferung geprüft wird, ist m. E. korrekt. Wie hoch die Ablehnungsquote ist, können Sie bei zanox über die Programmindizes einsehen, welche aus Vergangenheitsdaten ermittelt werden.

    Zudem möchte ich kurz noch auf darauf eingehen, dass in den zanox-Policy-Bestimmungen die „unvollständige Registrierung“ nicht als Stornogrund behandelt wird. Der Grund dafür ist, dass dieser Fall nicht möglich ist, da ein Lead generell nur mit vollständig ausgefüllten Daten generiert werden kann. Ob es sich um Fake-Daten handelt, können wir nur im Nachgang feststellen.

    Ich bin überzeugt, dass wir mit der Ergänzung der Programmbedingungen künftige Irritationen vermeiden können. Gern nehmen wir auch weitere Verbesserungsvorschläge auf. Gerade das Thema Transparenz und die damit verbundene Gefahr, dass explizite Informationen auch eine Anleitung zur Fakegenerierung durch böswillige Affiliates darstellt, stelle ich gern zur Diskussion.

  4. Hallo Herr Schulz,

    schön daß – nach nun FAST 5 MONATEN seit meinem ersten dringlichen Hinweis – endlich eine Reaktion Ihrerseits kommt, und die irreführende Beschreibung korrigiert wurde. Warum nicht gleich so?

    Ich möchte Sie jedoch dringend bitten – im Sinne einer fairen Diskussion – mir keine Meinung und auch keine Aussagen unterzuschieben:

    „Allerdings bin ich nicht Ihrer Meinung, dass Sie als Publisher hier ungerecht behandelt werden, wenn ungültige Leads storniert werden.“

    Ich habe nicht behauptet daß es ungerecht ist, ungültige Leads zu stornieren. Es war auch überhaupt nie die Rede von ungültigen Leads, sondern stets nur von inaktiven Accounts.

    Ihre Erklärung mit Transparenz vs. Betrugsprävention ist in meinen Augen völliger Unsinn. Ohne eine klare Definition der Provision kann kein faires Affiliate Marketing stattfinden.
    Es war in unserem Dialog auch nirgends die Rede von Fakedaten oder Betrug. Es ging alleine um den Umstand, daß die geworbenen User nach Anmeldung nicht mehr aktiv waren.

    Die Aktivität auf Ihrem Portal fällt sicher nicht in meinen Verantwortungsbereich als Affiliate Partner, sondern in den Ihres Portals, welches meine geworbenen User nicht überzeugen konnte, aktiv zu werden.
    Mit der Registrierung bei Ihnen war meine Überzeugungsarbeit somit erfolgt und sollte entsprechend der Provisionsbeschreibung (Pay per Lead) auch vergütet werden.

    Ein weiteres Missverständnis:

    „Hier stimme ich Ihnen insofern zu, als dass dies die Aufgabe des Advertisers ist. Genau dies muss jeder Anbieter tun: die eingelieferten Daten verifizieren und das tut single.de.“

    Die Aussage meinerseits, welcher Sie hier vorgeblich zustimmen, handelt überhaupt nicht von der Userverifikation, sondern von der Provisionskalkulation. Bitte genau lesen.

    Sie geben nun vor, Transparenz schaffen zu wollen, lassen sich aber gleichzeitig mittels einer mehr als schwammigen Provisionsbeschreibung viele Möglichkeiten zur einseitigen Korrektur offen, über welche der Partner keinerlei Kontrolle hat.
    Dies ist schon alleine dadurch sehr unglaubwürdig, da ihr Support sich – trotz mehrfachem Hinweis meinerseits – weigert, ohne explizite Nachfrage einen Grund für die jeweiligen Stornos anzugeben.

    Ich frage mich natürlich auch, weshalb man mir 5 Monate lang überheblich die Auskunft verweigert, und meinen Hinweis auf die fehlerhafte Provisionsbeschreibung ignoriert. Erst wenn der Fall dann plötzlich öffentlich gemacht wird, folgt Reaktion und Korrektur.

    Da fühlt man sich als Partner so richtig ernstgenommen.

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